Beim Barte des Methusalem

Vom Käse und seinen Löchern. Eine herbstliche Reis ins Meraner Land.

 

In der Bar des Hotel Rössl im schönen Vinschgau wird eifrig getanzt. Der Alleinunterhalter, der seinem Namen alle Ehre macht, hat das schlau eingefädelt. Erst hat er selbst einige stimmungsvolle Lieder vorgetragen. Es sollte ja keiner Angst bekommen. Auch wenn das Schild vor dem Speisesaal seit dem Vorabend darauf hinwies, dass um 18.30 der Tanzabend in der Bar beginnt. Und dann passierte es. Der Alleinunterhalter schaltete auf Automatik um, legte einen schwungvollen Samba auf und schnappt sich die ältere Bedienung im Dirndl. Wie auf ein Stichwort schossen sofort andere Paare auf die Tanzfläche. Und nun kocht die Stimmung.

 

Die einzelnen und in größeren Gruppen befreundeten Paare sind meist im Alter ab 65 Jahren aufwärts. Doch an den Schuhen sieht man eines. Sie meinen es ernst. Fast alle die kommen haben ihre Turn- und Bequemschuhe im Zimmer gelassen und Exemplare mit glatter Sohle gewählt. Solche, mit denen man gut tanzen kann. Die Frauen gerne mit einem kleinen Absatz. An der Fensterreihe sitzt ein sehr altes Paar. Beide kaum unter 80 Jahren, die Dame hat eine schicke Kurzhaarfrisur, ein Dreiviertelarm-Top aus hellbeigen Kaschmir und eine elegante dunkle Hose. Er trägt ebenfalls dunkle Hose und ein helles, einfarbiges Hemd. Beide auch kaum noch in der Lage hinkfrei zu gehen. Daneben sitzen mehrere Paar die einander ähnlich sind. Die Damen meist mit Goldlöckchen und in figurfreundlichen Komplettoutfits und die Herren mit mehr oder weniger Bauch und mit normalem Hemd statt Wanderhemd. Allesamt im besten Rentenalter. Auch die Bar hat sich gefüllt. Hier ist tatsächlich ein jüngeres Pärchen um die 40 zu finden. Auffälligerweise hat er keine Tanz – sondern Turnschuhe an. Sie ist Asiatin, wackelt und gestikuliert neben ihm stehend und strahlt ihn immer wieder an. An einer anderen Wand sitzen zwei sehr alte Damen im Kostüm.

 

Hier bleibt niemand sitzen

 

Der Alleinunterhalter hat sich nun eine der ganz alten Damen geschnappt. Während er die Tanzpartnerinnen wirbelt muss er den nächsten Song im Blick behalten und schauen, welche Dame sich gerade langweilt. Oder durch starkes Fußwippen Tanzlust anzeigt. Dann fordert er sie auf. Die Gäste sollen Spaß haben. Keine soll das Gefühl haben sitzen zu bleiben. Die wechselnden Damen gleichen sich nur im angestrengten Gesichtsausdruck. Es scheint, als koste es unglaubliches Konzentrationsvermögen mit diesem Mann zu tanzen. Auch die Asiatin hüpft freudig trocken an der Bar. Der Alleinunterhalter hat ein Einsehen mit ihr. Er legt die Polonaise mit dem Käse und den Löchern auf. Der Song hat den Vorteil, dass jeder mitmachen kann. Die Asiatin hat sofort verstanden dass ihre Chance gekommen ist und hängt sich begeistert hinter die zwei Bedienungen ein. Nun zieht man in der Bar gemeinsam von Blankenese bis nach hinter Wuppertal. Auch das folgende Sierra Madre eignet sich für Nicht-Tänzer, man kann sich im Takt wippend an den Händen halten.

 

Aber der Alleinunterhalter ist zu sehr Profi, um die Standard-Tänzer zu verärgern. Sofort danach geht es wieder weiter mit Paar-Tanz. Die Asiatin hat Mut geschöpft und tanzt fröhlich Freistil mit einer der älteren Damen. Die Dame hat einen leicht ratlosen Gesichtsausdruck, sind doch die Schritte ihrer Tanzpartnerin für sie nicht vorhersehbar.

 Auch das sehr alte Paar versucht es jetzt einmal. Es ist ein langsamer Walzer. Er stockt immer wieder, als könne er sich an die Schritte nicht mehr so recht erinnern. Sie kämpft tapfer um jeden Schritt, man sieht doch, dass sie starke Schmerzen in der Bewegung hat. Nach der Hälfte geben die beiden auf, hinken an ihren Platz zurück und nippen den Rest des Abends am Wein.

 Alle anderen scheinen körperliche Beschwerden wie Muskelkater von der vergangenen Wanderung vergessen zu haben. Die Stimmung kocht. Die Beine fliegen, die Frisur sitzt, der Wein oder der Aperol Sprizz fließen. Es ist die Hochsaison der grauen Panther in Südtirol, jetzt im Herbst. Und man merkt das Motto im Hotel ganz deutlich, diese Gäste sollen sich wohlfühlen.

 

Ubiquitäre Wanderkleidung 

 

Am nächsten Morgen im Speisesaal herrscht wieder Einigkeit bei der Kleidung. So wie am Vorabend mit den Schuhen. Es ist ein Wanderoutfit. Meist besteht es aus einer bequemen Hose in den Tönen Khaki, Braun oder Beige und einem Wanderhemd oder Top, ebenfalls in gedeckten Naturtönen oder Karo. Dazu trägt man Trekkingschuhe oder Wanderstiefel. Bei Rucksack und Stöcken scheint es einen Konsens zu geben, dass diese zum Frühstück noch auf den Zimmern verbleiben. Das Wetter ist grausig. Es regnet in engen Schnüren und das ebenfalls enge Tal hängt voller Wolken. Vermutlich sind auch die regenfesten Jacken noch im Zimmer.

Doch es gibt Abhilfe für schlechtes Wetter, wenn man nicht wetterfest ist oder zu schlechte Kleidung für das schlechte Wetter dabei hat. Im Meraner Land finden sich eine Vielzahl von Museen. Regentage wie dieser laden dazu ein, diesen auch mal Aufmerksamkeit zu schenken. Eine schönen Überblick über die Tiroler Landesgeschichte erhält man z.B. im Schloss Tirol. Der Parcours durch das liebevoll restaurierte Schloss zeigt Informatives über die Glanzzeit im Mittelalter und damalige Rechts- und Ordnungssysteme. Auch der Alltag im Mittelalter und die Zeitgeschichte kommen nicht zu kurz. Hier erfährt man auch, warum Südtirol und Bayern so einiges verbindet. Zumindest seit Margarete der hässlichen Herzogin, der auch Lion Feuchtwanger einen Roman gewidmet hat. Die bewegte Geschichte Südtirols ist ein ständiges Auf und Ab unter verschiedenen Herrschern. Manchmal scheint es, als ob es den Menschen langsam einerlei wäre, wer gerade in der Regierung das sagen hat. Südtirol bleibt Südtirol. Auch mit seiner einzigartigen Küche. Dieser Mischung aus alpin und mediterran, die jedem Fan der bodenständigen Küchenkultur das Herz höher schlagen lässt.

 

Gegen Regen hilft auch das wunderbare Essen

 

Es regnet immer noch in Strömen. Über den Bergen liegen dicke Wolken. Ein Blick aus den Fenstern der gemütlichen Gaststube des Schneeweisshof einen kurzen Spaziergang vom Schloss Tirol entfernt, endet im weißen Nichts. Als ob dieses Zimmer irgendwo mitten in den Wolken liegen würde. Der verführerische Duft des Traubenstrudels ist immerhin ganz real. Auf der Karte bietet Rosi´s Knödelwelt Stärkung an, ein Glück nach so viel Kultur. Von Schwarzplentenen Knödeln die aus Buchweizen gemacht sind, oder solche mit Löwenzahn, Spinat, Rote Beete, Käse oder Speck. Hier ist alles hausgemacht. Auch hier jedoch das gleiche Bild wie morgens im Speisesaal. Rentner im Wanderoutfit. Angesichts des Wetters jedoch bereits um 14 Uhr beim xten Durchgang Wein. Vernatsch oder Lagrein, Grauburgunder oder Gewürztraminer. Erkennbar an den Karaffen am Tisch und den roten Bäckchen der Gäste. An den Wänden hinter den Bänken stehen lauter Bücher mit Rezepten der Kräuterküche oder Bücher über die schönsten Törggele und Ausflugsalmen. Essen ist die Erotik des Alters, das sieht man sofort. Kurzzeitbesucher, die nur zum Essen kommen, sind eher die Ausnahme, Sitzfleisch scheint hier Programm zu sein.

Zurück im Hotel Rössl ist nach kultureller Anregung des Geistes und gutem Essen ein schöner Wellness-Bereich das perfekte Ende eines Regentages. Die Luft im Schwimmbad riecht beim Öffnen der Tür leicht nach Schweiß. Es ist feuchtwarm wie in den Tropen. Im Wasser befinden sich drei ältere Damen, die einer Dame am Beckenrand gymnastische Übungen nachmachen. Der Rest der Gäste ist auf Liegen verteilt. Wie erwartet alles ältere Herrschaften, diesmal in Handtuch und Bademantel. Durch eine Tür, deren Griff zur Abwehr von Kindern sehr weit oben angebracht ist, erreicht man die verschiedenen Saunen. Hier ist die Luft klar und frisch ohne Schweißgeruch und es herrscht auch mehr Platz als rund um den Pool. Auf den Liegen vor der Glasfront mit Blick auf den liebevoll gestalteten Garten und die nachfolgende Apfelplantage liegen fürsorglich ausgebreitet warme Decken. Eine halbe Treppenstufe höher wärmen bequeme Infrarot-Liegen wohlig den Rücken. Auch Außenplätze können je nach Wetter in der Gartenanlage mit Warmwasserpool und Schwimmteich wahrgenommen werden. Es ist ruhig genug, um sich die Zeit mit Lesen, Entspannen und Saunagängen zu vertreiben. Kein Kinderquietschen, Genörgel und Geschrei stört die Erholung. Auch kein Party-Publikum, das laut Musik hören will oder Komasäuft. Das Hotel ist voll ausgebucht. Dank des Altersdurchschnitts ist es jedoch wunderbar ruhig. Wenn nicht gerade Tanzabend ist, gehen die meisten Gäste um 22 Uhr einfach nur zu Bett um dort zu schlafen.

 

 

Sonnenblumenfeld in Merans botanischem Garten
Sonnenblumenfeld in Merans botanischem Garten

Die Gärten des Schloss Trauttmansdorff

 

Der nächste Tag lockt mit strahlender Sonne. Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten in Meran sind die Gärten des Schloß Trauttmansdorff der botanische Garten in Meran.

Bereits am Eingang wartet eine längere Schlange. An der Kasse steht ein Schild mit dem tagesaktuellen Programm. Es verspricht für den heutigen Tag einen Auftritt der Ladiner. Von der Seebühne hallen auch bald fröhlich die ersten Testtöne der beiden Sänger. Die anwesenden Rentner im bereits beschriebenen Wanderdress zeigen größtenteils strahlende Gesichter. Die Wanderkleidung scheint eine Art Uniform für die Touristen des Meraner Landes zu sein.

 

Auf verschlungenen Pfaden geht es vorbei an den Sonnenblumenfeldern, der großen Kameliensammlung bis hin zu den aktuell im Herbst blühenden Dahlien. Sie strahlen heiter wie riesiges Konfetti auf Pflanzenstielen. Die Luft ist klar und das Licht kontrastreich und durchdringend hell. Bei den Nutztieren werden die Schafe gerade gefüttert. Ängstlich springen die drei Tiere davon, als die Pflegerin das Heu in der Traufe auffüllt. In den Trog kommen Körner, die haben es den Tieren besonders angetan. Mit ihren großen Hörnern darf jedoch keines der Tiere sich beim Fressen zu ruckartig bewegen. Zu eng stehen sie beieinander und zu lang sind die Hörner. Die drei schaffen es trotz der deutlich sichtbaren Gier, ihre Bewegungen aufeinander abzustimmen. Nicht einmal der Techniktest der Ladiner scheint sie zu stören. Vielleicht sind sie Schlimmeres gewohnt. An den Hängen im Osten wird die einheimische Vegetation erklärt. Für botanisch interessierte wundervoll. Mit voller Wucht prallen hier alpine und hochalpine Pflanzen auf mediterrane Gewächse wie Palmen, Oleander, Zypressen und Feigen. Das Klima und die fruchtbaren Böden sind einzigartig.

 

Klettert man die Hänge hinauf, gelangt man zum Matteo Thunschen Gucker. Von dort breiten sich die Stadt Meran und die Texel-Gruppe aus. Man sieht bis ins Vinschgau und hinüber zum Schloss Tirol. Die Gitter-Konstruktion ist eher für Schwindelfreie geeignet. Wer genau aufpasst, merkt, dass sie leicht schwankt und hat dazu einen luftigen Ausblick nach unten. Dagegen herrscht im Garten für Verliebte eine heitere Stimmung. Vielleicht liegt es an dem lieblichen, indirekten Lichteinfall der hier vorherrscht. Aus Wasser, Blumen und Kunstinstallationen ist ein kleiner Parcours aufgebaut, der zum Mitmachen einlädt. Ganz wie in einem Märchen kann man sich „reinwaschen,“ sich Versprechen geben und Wünsche auf Papier in die Ewigkeit bringen.

 

Zur Stille im Garten für Verliebte ist die Voliere ein Kontrast. Darin herrscht Gedränge aus Vögeln und Menschen. Verschiedene Papageienarten fliegen durcheinander, meist von oben nach unten und umgekehrt. Am Boden treten sich die älteren Herrschaften in ihren Wanderstiefeln auf die Füße. Ein Schild versichert draußen, dass die Papageien auch an winterliche Temperaturen gewöhnt seien.

 Die Sonne steht jetzt hoch, es ist Mittags. Das Restaurant hat sich dicht gefüllt mit älteren Herrschaften in Wanderkleidung. Es riecht nach Pasta und deftiger Kost und die Ladiner spielen in voller Fahrt. Die Gesichter der Damen zeigen überwiegend ein verträumtes Lächeln. Einige Summen oder Singen mit. Die Tribüne gegenüber von der Seebühne ist auch voll. Ein Sitzplatz wäre kaum noch zu bekommen.

 

Neben den wunderschönen Gartenanlagen ist das Touriseum im Schloss Trauttmannsdorff ein unterhaltsames Kleinod. In unterschiedlichen Installationen erfährt man spielerisch mit vielen Beispielen garniert die Geschichte des Tourismus in Südtirol . Der leicht selbstironische Unterton macht das den Besuch kurzweilig. Zum Abschluss gibt es noch das Südtirol – Spiel. Ein detailgenau aus Holz gearbeiteter Riesen-Flipper. Für verspielte Erwachsene fast schöner als für Kinder. Gewonnen hat, wem der Ötzi zum Schluß „Time to say goodbye“ singt. Nachdem die Kinder hier selten sind, wird man beim Spielen auch nicht gestört. Eine Treppe höher finden sich die privaten Räumlichkeiten der ehemaligen Schlossbesitzer und Gäste. Vom ursprünglichen Eigentümer Graf Trauttmannsdorff bis zur Kaiserin Sissi hatte das Schloß bereits illustre Gäste. Eventuell kann man auch als großer Sissi – Fan hier noch Neues entdecken.

 

Teller mit Aussicht

 

Wer nicht im überfüllten Schloss-Restaurant essen möchte und sich dabei auch nicht in Meran von den anderen Wanderstiefeln die Füße platt treten lassen möchte, für den bietet das Umland ein Schlaraffenland an Südtiroler Küche. Bei schönem Wetter genießt man in der Waldschenke in Naturns nicht nur hervorragendes Essen wie Wild- und Pilzgerichte sondern auf der wunderschönen Terrasse auch einen unvergleichlichen Ausblick auf die Texelgruppe. Wer bereits auf dem Weg dorthin verhungert oder ein Mitbringsel sucht, dem sei die Moser Speckworld empfohlen.

 Auch das Restaurant der Forst-Brauerei in Algund wartet mit bodenständigen Gerichten von hervorragender Qualität und einer großen Auswahl an lokalem Bier gerne auf Gäste. Egal ob Polenta, Knödel, Pasta oder Schnitzel. Hungrig geht hier niemand wieder.

Ein weiterer Tag mit schönem Wetter wartet mit einer Wandertour ins Zieltal. Mit der Texelbahn in Partschins kommt man schnell auf den Gigglberg auf 1565m. Von hier aus sind in beide Richtungen Einzeletappen des Meraner Höhenwegs als Tagestouren möglich. Außerdem ist der Gigglberg auch eine gute Ausgangsstation für die umliegenden 3000er wie z.B. die Zielspitze. Eine Wanderung ins idyllische Zieltal verspricht etwas mehr Einsamkeit als die gut bevölkerten Etappen des Höhenwegs. Immer wieder ein Highlight sind die Almen und Hütten. Auf der Nassereithütte erhält man nicht nur ein gutes Wanderessen oder einen Schlafplatz, wenn man übernachten will. Auch Infos zur Begehbarkeit des Rundwegs und der Höhengipfel und welche Hütten dabei offen haben können hier erfragt werden.

Wasserfall im Zieltal
Wasserfall im Zieltal
Passeirer Hausziege
Passeirer Hausziege

Bozen im Wanderdress

 

Am nächsten Tag herrscht wieder Regen. Der übliche Schnürlregen, der einem jede Lust auf Outdoor-Aktivität gründlich verdirbt. Es ist wieder mal Zeit für einen Museumsbesuch. Oder vielleicht ein bisschen Shopping? In Bozen lässt sich beides kombinieren.

Auf der Meran-Autobahn Richtung Bozen herrscht dichtes Gedränge. Bereits weit vor Bozen artet er zum dicken Stau aus. Der Verkehr fließt zäh und Schritt für Schritt, Auto für Auto. Stundenlang wie es scheint, schieben sich die Blechlawinen durch triste Vororte mit Hochhäusern und Industrie. Ein Anflug von Innenstadt zeichnet sich ab, ausgelöst durch die Anzeige von Parkhäusern und Kaufhäusern. Weiter und weiter schiebt sich der Verkehr. Ein Auto pro Ampelphase, ein hoffnungslos überlasteter Kreisverkehr. Über diesen schieben sich Scharen von Silberrücken in Wanderkleidung. Alle mit dem Zug eingetroffen. Vermutlich der Geheimtipp an einem Regentag zur Hochsaison. Auch hier lassen sich wetterfeste Kleidung und gute Schuhe gut einsetzen.

 

Wer es an einem solchen Tag geschafft hat, in der Bozener Innenstadt anzukommen, den erwarten zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten. So gibt es das „Ötzi-Museum“ oder die bekannte Laubengasse für einen ausgedehnten Shoppingtag. Auch die zahlreichen Marktstände in der Innenstadt bieten lokale Köstlichkeiten und Mitbringsel an. Wer etwas über die landschaftliche Entwicklung Südtirols während und nach der letzten Eiszeit erfahren will und die in Südtirol vorkommenden Ökosysteme, dem sei das Naturmuseum Südtirol empfohlen. Hier erfährt man auch, warum der Boden in den Tälern so besonders fruchtbar ist – der Grund der vielen Obstplantagen. Wunderbar essen kann man im Traditionswirtshaus Vögele. Wer sich bei den ganzen Knödeln noch nie entscheiden konnte, für den gibt es hier z.B. das Knödelkisterl mit einer Auswahl dreierlei Knödel als Vorspeise. Auch die Hauptgerichte bieten alles, was Land, Flüsse und Wälder zu bieten haben. Das Wirtshaus wird besucht von Einheimischen, Touristen und Stammtischen und ist meist gut gefüllt. Auch wenn es über mehrere Stockwerke verfügt, die übrigens alle unterschiedlich eingerichtet sind, so empfiehlt es sich einen Tisch zu reservieren.

 

Der Geburtsort des Haflingers

 

Eine weiteres Vergnügen im Meraner Umland ist ein Ausritt über die Hochalmen auf Haflingern. Am Ursprungsort der Haflinger, in St. Kathrein in Hafling, kann man diesem Vergnügen auf den kleinen blonden Pferden nachgehen. Leicht in die Jahre gekommene kleine Mädchen tauschen hier Einhorn-Bettwäsche gegen Haflinger. Der Inhaber lässt alle Aspiranten erst Vorreiten, da er nur erfahrene Reiter ins Gelände schickt; Ton und Umgang mit den Gästen ist dabei gewöhnungsbedürftig und erinnern nicht an Kundenfreundlichkeit und Serviceorientierung. Eine verkrampfte Stimmung und eine gewisse Unfreundlichkeit gehören zum guten Ton des Hauses. Wer es erlebt hat, könnte sich dabei an den Reitunterricht in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnern.

 

Wo die Geier kreisen

 

Schloss Tirol
Schloss Tirol

Die Oktobersonne brennt auf Schloss Tirol. Es ist fast windstill. Zwischen den Besuchern der Greifvogelschau fliegt ein prächtiger Adler mittendurch. Einzelne Sitzgäste ziehen den Kopf ein. Es sind sogar Kinder anwesend, die aufgeregt noch einmal nach dem richtigen Platz suchen um den Vögeln ganz nahe zu sein. Florian Gamper, Leiter der Pflegezentrums für Vogelfauna  im Schloss Tirol erklärt etwas lakonisch auf zwei Sprachen aber doch mit viel Humor die Besonderheiten der Tiere. Und wenn die großen, prächtigen Tiere dann zwischen den Besuchern durchfliegen halten fast alle den Atem an vor Bewunderung. Pausenbrote sind strikt verboten. Es gibt verschiedene Charaktere unter Florian Gampers fliegenden Schützlingen und nicht alle sind so diszipliniert, sich nur an die angebotenen Leckereien zu halten. Außer dem Adler gibt es Eulen, Geier und Falken verschiedener Arten. Alle haben sie eine andere Art, mit ihren Betreuern zu interagieren. So sitzen die einen ganz nah bei Gamper, wie eine Eule, bei der man fast denkt, sie kommt vor allem, um mit ihm zu plaudern. Andere halten viel mehr Distanz zu ihm, aber nicht zu den angebotenen Leckereien. Eine junge Schneeeule dagegen kann die Flugschau nur mit viel Geschrei und Geflatter bestreiten. Sie braucht die ganze Breite der Stange um zum landen und sitzen zu kommen. Ihr fehlt noch die Erfahrung, verrät Gamper.

 

Ein Akteur der Flugschau
Ein Akteur der Flugschau

Überhaupt erzählt er vieles, das sogar studierte Biologen ins Staunen bringt. Die großen Greife wie Adler und Geier fliegen nicht etwa dauernd durch die Gegend, wie es uns die Volksmusik glauben macht. Da wären sie wohl schon ausgestorben meint Florian Gamper. Nur durch die Thermik kommen sie in die Lüfte, mit dem Schlagen der Flügel schaffen sie das nicht, sagt er. Ein Greif kann demnach also „absaufen“ und dann muss er mit dem Auto wieder abgeholt werden. Einige der Insassen des Pflegzentrums scheinen das, den Berichten nach, sehr zu mögen. Es gäbe auch einen Geier, der oft zu Fuß wieder heim kommt, berichtet Gamper. Er habe das mit der Thermik noch nicht so im Griff. Selbiger Geier ist an diesem Tag schon vor der Flugschau freigelassen worden. Auf seine rechtzeitige Heimkehr gäbe es aber wenig Chancen, da es so windstill ist, erfahren die Zuschauer. Doch wie auf Kommando kommt nun der schon abgeschriebene Lämmergeier langsam ins Bild. Er ist noch weit unten im Tal und kreist dort über Weinstöcken. Anscheinend hat er aber den richtigen Wind gefunden und steigt nun langsam auf. Entgegen der anfänglichen Prognosen schafft er es doch bis zum Ende der Flugschau in den heimischen Käfig. Ob es wohl Wanderer gibt, denen bei der Bergtour schon ein Adler oder Geier zu Fuß beim Aufstieg begegnet ist?

Rund 250 verletzte Vögel werden jährlich in das Pflegezentrum gebracht. Dabei kann etwa die Hälfte der Tiere wieder freigelassen werden. Die anderen bleiben im Zentrum und finden dort in einer geräumigen Voliere ein neues Zuhause. Die Besucher des Pflegezentrums finanzieren durch ihren Eintritt diese wertvolle Arbeit zum Erhalt der Greifvögel mit.

 

Zurück in der Hotelbar ist wieder Ruhe eingekehrt. Den Tanzabend gibt es nur an bestimmten Tagen. Die älteren Herrschaften, die nach dem Abendessen nicht im Speisesaal verbleiben wollen sondern an die Bar kommen, nippen an ihrem Wein oder ihrem Sprizz. Es herrscht gedämpftes Licht und gedämpfte Gesprächsatmosphäre. Das Rössl-Team arbeitet unermüdlich an den Gästewünschen. Kein Drink, kein Wunsch wird vergessen. Obwohl das Hotel ausgebucht ist, ist immer irgendwo ein Platz frei, muss niemand lange warten. Und es ist angenehm still. Der Lärm unserer nimmermüden Gesellschaft ist draußen geblieben hier im Reich der Alten. Es ist ein Paradies für empfindliche Ohren, müde Augen und überarbeitete Gehirne. Wer Ruhe sucht, der findet sie hier. Ebenso, wer individuell unterwegs sein will. So viele Möglichkeiten das Leben zu genießen, überbieten sich hier jeden Tag.  Wer gutes, bodenständiges Essen und Berge und Natur liebt oder Interesse an kulturellen Unternehmungen hat, kommt hier auf seine Kosten. Egal ob mit 17 oder 70. Doch ist es ein Paradies das um diese Jahreszeit den Älteren fast alleine gehört.